Mit Rechten reden: Statt Parley

 

Zum Abschluss laden die Autoren die Rechten zu einem Gespräch ein, eine einstellige Zahl von Diskutanten und Diskutantinnen auf jeder Seite, am besten auf jeder Seite gleich viele, und dann ein gemeinsames Gespräch. Das Kapitel enthält viele Bemerkungen zu „pirates of the carribean“, ist aber für diejenigen, die als Nicht-Rechte nicht von diesem Vorschlag angesprochen sind, eher langweilig.

Daher zum Abschluss der Kritik dieses Teils meine eigene Position zum Thema „Reden mit Rechten“:

Rechte verwandeln Diskussionen gerne in Kämpfe – das gilt für diejenigen, die in Talkshows sitzen (etwa die beiden, von denen Leo, Steinbeis und Zorn berichten, S. 32f), und es gilt meiner Erfahrung nach auch für diejenigen, denen man im Verein, am Arbeitsplatz, in der Familie, in der Nachbarschaft oder im Internet begegnet, nur dass sie rhetorisch weniger gewandt sind. (Die Demonstrantin, von der die Autoren berichten, wäre eine davon.) Diese Kämpfe werden mit allen verbalen Mitteln geführt, die zur Verfügung stehen, mit dem Ziel, den anderen zu verunsichern und zu verwirren, so dass sein Vertrauen in seine kommunikativen Fähigkeiten und seine Fähigkeiten, die Welt einigermaßen angemessen wahrzunehmen, erschüttert werden.

Wer mit Rechten redet, muss wissen, dass er oder sie sich auf einen Kampf einlässt, der nicht unbedingt auf der argumentativen Ebene entschieden wird. Dieser Kampf erfordert Vorbereitung, sowohl auf der argumentativen als auch auf der anderen Seite, er erfordert außerdem große Selbstsicherheit. Was normalerweise eine Tugend ist, Nachdenklichkeit, Selbstreflexion, die Fähigkeit und Bereitschaft, sich selbst und die eigenen Positionen in Frage zu stellen, die Bereitschaft, Fehler auf beiden Seiten zuzulassen, betrachten die Gegner als Schwäche, die sie ausnutzen können. Es ist nicht nötig, selbst die manipulativen Methoden der Rechten zu verwenden, aber eine gewisse Stärke ist nötig, um sich nicht verwirren und verunsichern zu lassen. Manchmal ist es besser, dies nicht in einer Podiumsdiskussion zu tun, sondern indem man Texte liest und analysiert. Manchmal lässt sich nicht vermeiden, sich mit Rechten auseinander zu setzen, etwa wenn man ihnen unvermutet begegnet, insbesondere wenn es darauf ankommt, potentielle Opfer zu schützen.

(Und natürlich ist es wichtig, hinterher wieder zum normalen verständigungsorientierten Kommunikationsverhalten zurückzukehren, also eigene Fehler für möglich zu halten und Kritik annehmen zu können – Kritik von Menschen, deren Grundsätze man teilt und deren Kommunikationsverhalten ebenfalls vom Wunsch nach Verständigung geprägt ist.)

Was nicht funktioniert: Rechte bitten, nicht mehr zu kämpfen. Warum sollten sie dies tun, wenn sie ihre Kämpfe gewinnen? Vor allem aber ist der Ratschlag für Menschen, für die Gleichheit nicht verhandelbar ist, die Ernst Jünger und Martin Heidegger eher uninteressant finden und die keine Freude an den „besten Vertretern der anderen Seite“ haben, völlig wertlos.

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