Mohnblume (Arbeitstitel)

Mit Rechten Reden? Leitfaden zum Leitfaden (zweiter Teil der Diskussion des Buchs)

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Das Buch trägt den Untertitel „ein Leitfaden“, aber gleich ganz am Anfang findet sich eine Vorbemerkung, „Leitfaden zum Leitfaden“: Es handle sich nicht um einen Ratgeber oder Leitfaden, wie man ihn gewöhnlich erwarte, der berate, wie „man“ eine klar definierte Aufgabe löst, denn das würde voraussetzen, dass zwei klar getrennte Gruppen unterschieden werden können, „man“ und „die Rechten“. Dies sei aber nicht möglich. Stattdessen habe man es hier mit einem komplexen Problem zu tun, das zu beschreiben und zu lösen die Autoren sich auf den Weg machen.

Ein paar Punkte nehmen sie schon vorweg, vor allem, wie sie „rechts“ nicht definieren wollen: Über Inhalte. Für sie sei rechts eine Redeweise, nämlich eine reaktive Redeweise, entstanden als Reaktion auf eine Krise der Öffentlichkeit, der Verlagerung des Diskurses in Talkshows und ins Internet, wo Nervosität und Erwartbarkeit seine Hauptkennzeichen seien.

Als Leser und Leserinnen stellen sich die Autoren drei Beispielpersonen vor: Die erste mag überrascht sein, denn wer die Rechten seien, das wisse doch jeder: und nun ist sie neugierig geworden. Der zweite mag sich selbst aus „rechts“ empfinden und will herausfinden, was der Gegner denkt; oder er wird neuerdings von anderen als „rechts“ beschimpft, und jetzt möchte er sich selbst verstehen. Den dritten mag das, was sich hinter Bezeichnungen wie „Rchte“, „Neue Rechte“ oder „Rechtspopulismus“ verbirgt, versötren und ratlos machen; und jetzt ist er gespannt, ob er bald klarer sieht.

Ich gehöre, wenn überhaupt, zur ersten Gruppe: Ich meine, definieren zu können, was rechts ist, allerdings nicht als klar abgrenzbare Personengruppe, da sich Elemente eines rechten Weltbilds bei vielen finden, die ansonsten nicht rechts sind, sondern als rechte Inhalte, und auch dort nicht als eine Definition mit einer klaren Linie (diesseits der Linie okay, jenseits der Linie rechts), aber ich traue mir zu, den Kern rechten Denkens zu benennen: dass sich die Menschheit in naturgemäß vorgegebene Gruppen einteilen lässt und dass diese Gruppen entsprechend natürlicher Ordnungen leben sollen, entweder hierarchisch geordnet (Männer und Frauen, aber auch verschiedene Klassen, besser gesagt „Stände“), oder voneinander getrennt (die verschiedenen „Rassen“ oder „Völker“), und dass Menschen, die nicht in dieses Schema passen (Juden und Jüdinnen, Homosexuelle und queer lebende Menschen) keinen Platz auf dieser Welt haben.

Außer mit der Definition von „rechts“ stimme ich auch mit der Problemdiagnose überein: Ich sehe rechtes Reden nicht als Reaktion auf eine Verflachung der öffentlichen Diskussion in Talkshows und im Internet, sondern als Ausdruck eines rechten Weltbilds, das zumindest in Form einzelner Versatzstücke noch weit verbreitet ist. Dieses ist deutlich älter als Talkshows und das Internet (wie wollte man sonst den Nationalsozialismus erklären?); es entstand tatsächlich als Antwort auf die Französische Revolution und deren Ideale Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, welche abgelehnt wurden. Da Hierarchien und Unfreiheit im Zeitalter der Aufklärung aber nicht mehr ohne weiteres als gottgewollt gerechtfertigt werden konnten, wurden andere Quellen der Legitimation benötigt; es fanden sich Tradition und Natur. Es erschien natürlich, dass jedes durch eine angebliche gemeinsame Abstammung definierte Volk auch einen eigenen Nationalcharakter besäße, der sich in dessen Traditionen ausdrücke. Dieser Nationalcharakter eine dann auch Menschen unterschiedlichen Standes und Geschlechts, auch wenn sie unterschiedliche Rollen und Funktionen in der Gesellschaft innehatten: sie alle waren Aspekte dieses gemeinsamen Wesens.

Die Autoren hoffen, dass ihr Buch zu Einsichten führt, die sich in Ratschläge übersetzen lassen. Sie listen 25 solche Ratschläge auf, die sie selbst aus ihren Einsichten gezogen haben: Einer davon macht mich stutzig: „Treibe Sport mit Nazis“. Ich Habe jahrelang Sport mit Querfrontlern getrieben – das hat mir, ehrlich gesagt, gereicht. (Gerade jetzt überlege ich, ob der Tipp möglicherweise ironisch gemeint war. Eigentlich habe ich mich dies bei der gesamten Liste gefragt.) Die Autoren kündigen an, dass sie auch mit literarischen Formen wie Mythos oder Parabel arbeiten werden.

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