Meine jüngste Erfahrung mit einer Frau, die rechte Ansichten vertrat

(Immer noch tue ich mich schwer, sie als Rechte zu bezeichnen. Sie war eine Cafébekanntschaft, mit der ich mich über unverfängliche Themen unterhielt, aber mit der Zeit war mir immer deutlicher geworden, dass ich außer unverfänglichen Themen nichts mit ihr besprechen wollte, was Gespräche mit ihr sehr anstrengend und belanglos machte. Dass sie rassistisch war, wusste ich schon lange; immer wieder machte sie Andeutungen, dass es nicht mehr so sei wie früher und dass es immer schlimmer würde – ja, die vielen Flüchtlinge eben.

An einem Tag war es besonders schlimm. Sie sei mit der Straßenbahn in die Nordstadt gefahren, alles voller Flüchtlinge, und sie meine ja nur, wer als Gast irgendwo sei, etwa weil er als Flüchtling aufgenommen wurde, müsse sich auch als Gast benehmen.

Ich versuchte, mich an die Ratschläge zu halten, die ich im letzen Argumentieren-gegen-rechts-Seminar erhalten hatte, und vor allem Fragen zu stellen.

„Was meinst du, sich als Gast benehmen?“

„Sich benehmen eben.“

„Ich habe schon gute Erfahrungen gemacht, zum Beispiel, dass Leute, die anscheinend Flüchtlinge waren, sich gegenseitig aufgefordert haben, die Straßenbahntür freizugeben, und dass dies dem, der die Tür blockiert hat, sehr peinlich war.“

„Ja, aber sie sollen sich eben als Gäste benehmen.“

„Was hast du denn schon für konkrete schlechte Erfahrungen gemacht?“

„Dass sie sich eben nicht als Gäste verhalten haben.“

(Mit einigen weiteren Nachfragen fand ich heraus, dass sie einfach zu selbstbewusst wirkten.)

Ich versuchte dann anders zu argumentieren: „Aber vielleicht sind das gar keine Gäste mehr. Vielleicht sind das Menschen, deren Familien seit mehreren Generationen hier leben. Das kannst du doch nicht unterscheiden.“

„Doch. Ich sehe das.“

Sie ging anschließend in die Gegenoffensive über: „Was denkst du denn über Einwanderung?“

„Ich denke, dass Deutschland Einwanderung braucht.“

„Auch kriminelle Einwanderung?“

„Alle Statistiken sagen, dass Einwanderer nicht krimineller sind als andere Leute.“

„Aber ich weiß das. Sie haben das im Blut.“

An diesem Punkt brach ich meinen Versuch ab, pädagogisch auf meine Bekannte einzuwirken. Ich sagte ihr, sie solle nie wieder so etwas sagen, wenn ich dabei bin, und am besten, wenn sie meine Freundin sein wolle, dieses Thema ganz und gar meiden. Beim Nachhausegehen sagte sie sogar noch, ich solle sie nicht falsch verstehen, es sei alles nicht so gemeint, sie meine eben doch nur, dass Gäste sich als Gäste benehmen sollten.

Mir kommt dieses Gespräch in den Sinn, weil mir vor kurzem ein Gespräch mit Daniel-Pascal Zorn und Andreas Speit in die Timeline gespült worden ist:

Umgang mit der Rechten: Wenn die Faust spricht, ist bei uns Schluss

Im Sommer habe ich während eines Besuchs bei meinen Eltern die erste Hälfte seines Buchs „Logik für Demokraten“ gelesen. Zorn besteht darauf, dass man Gespräche mit Rechten nicht mit moralischen Setzungen beginnen darf, sondern dass es besser sei, auf sokratische Weise die Argumenation der Gegenseite durch Fragen zu erschüttern. Schon damals fand ich seine Behauptungen arrogant: Er scheint es nicht für nötig zu halten, die Erfahrungen von Menschen, die zum Beispiel als PädagogInnen versuchen, mit rechten Jugendlichen zu sprechen, ernst zu nehmen. Wenn ein Gespräch schief geht, liege dies daran, dass nicht die richtige Taktik eingesetzt wurde. Mit meiner Erfahrung, dass sich Menschen, die rechte Ideen vertreten, auf eine argumentative Auseinandersetzung gar nicht erst einlassen, sondern sehr schnell in verbaler Aggressivität und in Versuchen der Manipulation enden, fand ich mich in diesem Buch nicht wieder.

Meine Auseinandersetzung mit jener Frau hat mir dies noch einmal vorgeführt. Der Unterschied zu den Auseinandersetzungen, die ich vorher hatte, liegt darin, dass mir an ihrer Freundschaft nichts liegt und dass ich deswegen nicht manipulierbar war.

Mittlerweile rede ich tatsächlich nicht mehr mit ihr. Ich habe ihr nichts zu sagen, und sie hat mir auch nichts zu sagen.

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3 Antworten zu Meine jüngste Erfahrung mit einer Frau, die rechte Ansichten vertrat

  1. Peter Müller schreibt:

    Die Grundfrage ist doch, ob jemand allein deshalb schon ein Rassist ist, weil er keine Flüchtlinge in Deutschland will. Boris Palmer hat das gestern bei „Hart aber fair“ sehr gut ausgeführt.

    Gefällt mir

    • susanna14 schreibt:

      Offensichtlich haben Sie nicht verstanden, warum meine Bekannte, ungeachtet Ihrer „Grundfrage“ eine Rassistin ist: In dem Moment, als sie erklärte, dass manchen Menschen die Kriminalität im Blut liege. Gerade eine moralische Haltung wie „kriminell“ hat mit biologischer Herkunft nichts zu tun. Eine solche Behauptung aufzustellen ist die Quintessenz des Rassismus. Aber auch schon die vorausgegangenen Behauptungen zeigen, wie ein Gespräch mit einer Rassistin typischerweise abläuft: es werden unkonkrete Behauptungen aufgestellt, häufig in einem Tonfall, als sei man sicher, Zustimmung zu erhalten, es wird darauf verzichtet, die eigenen Behauptungen zu begründen. Eine argumentative Auseinandersetzung funktioniert anders. Das Beharren auf einer argumentativen Auseinandersetzung führt in aller Regel dazu, dass die andere Person ihren Rassismus (oder auch Antisemitismus oder ihren Geschichtsrevisionismus) offenlegt.
      Ich habe mir eine Weile durch den Kopf gehen lassen, was ich mit dem Rest ihres Kommentars mache. Normalerweise widerstrebt es mir, Kommentare zu löschen, die einigermaßen höflich im Tonfall sind. Sie haben auch versucht zu argumentieren, und im Prinzip bin ich dafür, Argumente zu widerlegen. Andererseits sind Sie praktisch nicht auf meinen Text eingegangen, und dies hier ist eben ein Ort, um zu kommentieren, keine Forum für ausführliche eigene Positionierungen. Es wäre meines Erachtens nach angemessener, wenn Sie Ihre Positionen in einem eigenen Blog darlegen würden – dann können alle, die wollen und Zeit und Energie haben, Ihre Positionen kommentieren.

      Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Mit Rechten reden | Geschichten und Meer

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