Mohnblume (Arbeitstitel)

Am Aufstieg der AfD sind die AfD-Anhänger schuld, niemand sonst

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Immer wieder tauchen in meiner Timeline Behauptungen auf, am Aufstieg der AfD seien alle möglichen Leute schuld, nur nicht die Leute, die sie wählen. Der Text, der als letztes meine Aufmerksamkeit geweckt hat, ist einer von Heribert Prantl: Der dritte Platz wird den Ton angeben . Ein anderer Text war der von Wolfgang Merkel „Die AfD wird bleiben“ in der taz.

Beiden Texten gemeinsam ist, dass sie die demokratischen Parteien für den Aufstieg der AfD verantwortlich machen. Sie hätten versagt, weil sie die Wut der Bürger oder den „Kommunitarismus“ der Bürger (also den Wunsch, in kleinen, von der Welt abgeschotteten Nestern zu leben) nicht genügend gewürdigt und aufgegriffen hätten.

Aber warum soll eine Partei, die einigermaßen flüchtlingsfreundlich eingestellt ist, Menschen ernst nehmen und auffangen, die wegen zu vieler Flüchtlinge wütend sind? Man kann mit diesen Menschen reden, man kann versuchen, ihnen zu erklären, dass Flüchtlinge unsere Gesellschaft nicht bedrohen, sondern Menschen sind, die unsere Hilfe nötig haben, aber das ist nicht die Art und Weise, wie die wütenden Menschen ernst genommen werden wollen. Ernst genommen werden bedeutet in ihren Augen: ihnen zustimmen. Bringt es unsere Demokratie weiter, wenn Linke oder Grüne sich ihre Sahra Wagenknecht oder ihren Boris Palmer zulegen, die diesen Menschen nach dem Mund reden?

Warum müssen Menschen, die Flüchtlinge hassen, wie kleine Kinder behandelt werden, die aufgefangen und betreut werden sollen?

Schuld am Aufstieg der AfD sind die Menschen, die sie wählen. Mittlerweile sollte auch jedem klar sein, was für eine Partei es ist: eine rassistische und geschichtsrevisionistische Partei, die die Demokratie nicht wirklich ernst nimmt. Man sollte davon ausgehen, dass Menschen, die die AfD wählen, den Positionen der AfD zustimmen. Menschen, die dies tun, sind keine kleinen Kinder, sie sind politische Gegner. Vielleicht gibt es noch ein paar wenige, die einfach naiv sind, vielleicht sind ein paar von ihnen noch offen dafür, dass man ihnen erklärt, warum eine Nation eine imaginierte Gemeinschaft und die Leistungen deutscher Soldaten kein Grund zum Stolz sind. Denen soll es erklärt werden – aber nicht unbedingt im persönlichen Gespräch. Die Informationen sind vorhanden, man muss in die Bibliothek gehen oder zu öffentlichen Vorträgen oder vernünftige Zeitungen lesen und auf vernünftigen Websites surfen, dann erfährt man es.

Vielleicht hat man sich zu wenig Mühe gegeben, diese Menschen aufzuklären. Ich fürchte jedoch, man hat eher zu viel als zu wenig diesen Menschen nach dem Mund geredet. Die AfD wird von Menschen gewählt, die ihre Positionen gut finden, und das Problem besteht darin, dass es zu viel von diesen Menschen gibt, nicht darin, dass man diesen Menschen zu wenig zuhört oder ihre Sorgen nicht genügend ernst nimmt.

P. S. Ähnlich dumm ist folgender Artikel: Ich träume von der AfD im Bundestag . Die Autorin hofft, dass sich etwas verändert, egal was. Die Politik ist ihr zu langweilig. (Mich erinnert dies an die jungen Leute, die sich freiwillig für den Ersten Weltkrieg meldeten, weil ihnen zu langweilig war.) Hauptsache wütend, Hauptsache gelangweilt, Hauptsache Angst vor der Apokalypse. Dass mit der AfD alles nur schlechter, nichts besser wird, interessiert dann nicht.

 

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