Eigentlich lässt sich zur Rede von Björn Höcke nicht mehr viel sagen.

Als ich gestern Twitter einschaltete, war meine Timeline voll mit Kommentaren zur Rede von Björn Höcke. Am stärksten wurde der Ausdruck „Denkmal der Schande“ kritisiert. Meine erste Assoziation war die Paulskirchenrede von Martin Walser – Björn Höcke ist nicht der erste, der einen solchen Ausdruck verwendet, und Martin Walser hatte eine ganz andere Autorität als Björn Höcke. Menschen, die Dokumentationen über den Holocaust als Beschuldigung empfinden und diese am liebsten wegschalten, konnten sich von Martin Walser ermutigt fühlen, dies auch zu tun – Björn Höcke kann von niemandem als Erlaubnis angeführt werden, der sich noch in der Mitte der Gesellschaft verorten will. (Die Reaktion der großen Medien unterscheidet sich deutlich von der auf Martin Walser.)

Jetzt habe ich Dokumentationen der Rede gefunden. Wer sie sich auf Youtube ansehen will (ich werde sie nicht verlinken) kann ab Minute 56 Björn Höcke hören. Andreas Kemper hat einen Teil der Rede dokumentiert: Höcke: Dämliche Erinnerungskultur„.

Jetzt denke ich, dass die Rede Schlimmeres enthält als „Denkmal der Schande.“ Der Ausdruck ist schlimm, aber er wurde leider auch von Menschen gewählt, die sich den Nationalsozialismus nicht zurückwünschen. Als ich mir die Rede durchlas, dachte ich: Wenn man zuende denkt, was er dort schreibt, bleibt nur ein Schluss übrig, nämlich dass er sich den NS zurückwünscht. Die Umerziehung war schlecht, das was vorher war, scheint also besser gewesen zu sein. „Unsere kollektive Identität“, die „uns“ durch die Bombardierung von Dresden und anderen Städten geraubt werden sollte, das muss die des NS gewesen sein. Die Wurzeln, die gerodet werden sollten, das waren die, deren Frucht der Nationalsozialismus war.

Menschen, die nicht rechts sein wollen, beklagen typischerweise, dass die deutsche Geschichte auf die zwölf Jahre des Nationalsozialismus reduziert werde. Dabei gebe es so vieles andere, worauf Deutsche stolz sein könnte. (Einer der Vorredner weist darauf hin.) Björn Höcke schließt die Jahre des Nationalsozialismus nicht aus der Geschichte aus, wie es jene Menschen tun, die nicht rechts sein wollen, er schließt sie in die deutsche Geschichte ein, auf die er wieder stolz sein will.

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